Dienstag, 1. Januar 1980

18.04.1957 Atom-Rüstung soll sich nicht ausbreiten

18.04.1957

Die Atom-Rüstung soll sich nicht ausbreiten

Das Ergebnis des Gesprächs zwischen Kanzler und Professoren
Bonn (Eig. Ber., dpa, up) - Die Bundesregierung will in den kommenden 24 Monaten versuchen, durch ein Übereinkommen aller Mächte eine weitere Ausrüstung mit Atomwaffen sowohl in Ost als auch in West zu verhindern. Darauf haben sich gestern der Bundeskanzler und fünf der 18 Professoren, die den Göttinger Appell unterschrieben hatten, nach fünfstündigen Beratungen im Amtssitz des Kanzlers geeinigt. Ein Kommuniqué stellt ferner fest, daß die Bundesrepublik nach wie vor keine eigenen Atomwaffen produzieren wird. Der allgemein erwartete gemeinsame Abrüstungsappell an die Weltmächte blieb jedoch aus.
In der gemeinsamen Verlautbarung heißt es unter anderem wörtlich:
"Die Bundesregierung teilt die Besorgnis, die in der genannten Erklärung (gemeint ist der Göttinger Appell. d. Red.) zum Ausdruck kommen. Sie stimmt mit den Motiven und Zielen der Wissenschaftler überein und empfindet volles Verständnis für die Verantwortung, die die Atomwissenschaftler für die Entwicklung in einer Welt der Spannung zwischen Ost und West in sich fühlen.
Der Bundeskanzler und die Wissenschaftler glauben, daß es notwendig ist, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf die Regierungen in Ost und West einzuwirken, um zu einem Abkommen über eine allgemeine kontrollierte Abrüstung zu gelangen, die den Menschen auf der ganzen Welt die Furcht vor einem Atomkrieg nehmen könnte. Sie sind sich der furchtbaren Gefahr bewußt, die durch die Entwicklung der Atomwaffe über die Menschheit gebracht wurde, und sind gewillt, jeder ehrlichen Anstrengung, diese Gefahr zu bannen, volle Mitarbeit zu gewähren. Die Bundesregierung wird ihre Anstrengungen darauf richten, durch ein Abkommen zwischen allen Mächten eine generelle atomare Bewaffnung der sich in Ost und West gegenüberstehenden Armeen zu vermeiden.
Die Atomforscher, die an der Besprechung teilgenommen haben, wünschen zum Ausdruck zu bringen, daß es nicht ihr Hauptziel war, nur die Bundesrepublik aus einem allgemeinen Verhängnis herauszuhalten, sondern sie wollten eine Initiative zur Abwehr dieses die Welt bedrohenden Verderbens ergreifen. Sie waren der Meinung, in dem Staate beginnen zu müssen, dessen Bürger sie sind. Der Bundeskanzler sprach den Wunsch aus, in diesen Fragen mit Vertretern der Wissenschaft in Verbindung zu bleiben und sie über die Entwicklung auf den genannten Gebieten sowie über die Entwicklung der internationalen Lage auf dem laufenden zu halten. Die Vertreter der Wissenschaft begrüßten den vom Bundeskanzler ausgesprochenen Wunsch."
Bundespressechef von Eckardt erklärte über das Kommuniqué hinaus zu den Verhandlungen, daß in den nächsten 18 bis 24 Monaten eine effektive Ausrüstung der Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen nicht akut sei. Wenn sich aber die NATO entschließen müßte, ihre
Truppen mit taktischen Atomwaffen auszurüsten, sei es nicht möglich, daß ein wichtiger Partner dabei ausgelassen wird. Die Bundesregierung befände sich dann in einer Lage, die innerhalb der NATO neu geprüft werden müsse. Man solle daher die nächsten zwei Jahre nutzen, "damit diese Frage nicht auf uns zukommt."
Der Bundespressechef teilte ferner mit, Professor Hahn habe zum Ausdruck gebracht, daß alle seine Kollegen, die den Göttinger Appell unterzeichnet haben, dem Kommuniqué zustimmen könnten. "Ob das aber im Effekt der Fall sein wird", fügte Eckardt hinzu, "konnte Professor Hahn nicht garantieren."
Die Bundesregierung will den Atomphysikern ihr Material über die neuen amerikanischen Vorhaben zum Schutz der Bevölkerung vor Atomwaffen zustellen. Bei der Besprechung selbst sind die Unterschiede zwischen einer taktischen Atomgranate und der Hiroshima-Bombe klargestellt worden. Danach soll die Atomgranate am Treffpunkt die gleiche Wirkung haben, aber keinen weiteren Umkreis an Sprengkraft und Radioaktivität. Die Atomforscher ihrerseits wollen von sich aus demnächst mit Erklärungen über den Schutz der Zivilbevölkerung hervortreten.
Zum möglichen Schutz vor Atomwaffen erklärte Professor Heisenberg, der an den Bonner Verhandlungen wegen Erkrankung nicht teilnahm, ein solcher Schutz sei für den einzelnen möglich, wenn er einen unter der Erde gelegenen atombombensicheren Bunker besitze, der mit Sauerstoffgeräten versehen ist und Lebensmittel- und Wasservorräte aufweist. Es sei jedoch undenkbar, für die Mehrheit der Bevölkerung einen solchen ausreichenden Schutz zu beschaffen. Man könne unsere Städte nicht innerhalb einer Viertelstunde evakuieren.

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